Prof. Dr. Ingrid Miethe
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Reformpädagogische Bewegungen
Das Kind nicht in Frieden zu lassen, das ist das größte Verbrechen der gegenwärtigen Erziehung gegen das Kind. Dahingegen wird, eine im äußeren, sowie im inneren Sinne schöne Welt zu schaffen, in der das Kind wachsen kann; es sich darin frei bewegen zu lassen, bis es an die unerschüttliche Grenze des Rechts des anderen stößt, das Ziel zukünftiger Erziehung sein. (Ellen Key: Das Jahrhundert des Kindes)
Kultur- und Schulkritik
- Hauptthese: dem materiellen Aufschwung entspricht ein kultureller Niedergang
- Kritik an der Lern- und Buchschule (zu intellektualistisch, lebensfremd)
- Pädagogik vom Stoffe aus (Herbartianer) wird ersetzt durch Pädagogik vom Kinde aus
- Bildungswesen ist Ursache des Zerfalls und Hebel zur Erneuerung
Reformpädagogische Bewegungen sind sehr inhomogen und eine klare Abgrenzung ist entsprechend schwierig.
Fast alle Modelle der Reformpädagogik weisen jedoch folgende Elemente auf:
- Den Versuch, systematisches Lernen und das persönliche Erleben in einen angstfreien Bildungsprozess zu integrieren.
- Konsequente Kindorientierung
- Entwicklung zur eigenständigen Persönlichkeit und Entfaltung der Individualität
- Gestaltung einer anregenden Lernlandschaft
- Persönlichkeitsbezogene Leistungsbewertung
- Ganzheitlichkeit (Einbeziehung der Sinne und des Körpers)
Richtungen der Reform
- Ästhetische Erziehung
- Arbeit als pädagogisches Mittel
- Schulung des Körpers
- Innere Reform (Persönlichkeitsentwicklung)
Reformpädagogiken sind heterogene internationale Bewegungen:
Schweden:
- Ellen Key (1849-1926): Das Jahrhundert des Kindes (1900)
Deutschland
- Rudolf Steiner (1861-1925): Waldorf-Schule
- Hermann Lietz (1868-1919) und Paul Geheb (1870-1961): Landerziehungsheim
- Paul Oestreich (1878-1959): Produktionsschule
- Peter Petersen (1884-1952): Jenaplan-Schule
- Adolf Reichwein (1898-1944): Schaffendes Schulvolk
- Kurt Hahn (1886-1974): Bewährungspädagogik/ Erlebnispädagogik
USA
- John Dewey (1859-1952): Learning by doing
- William Head Kilpatrick (1871-1965): Projektmethode
- Helen Parkhurst (1887-1959): Daltonplan
Russland / Sowjetunion
- Lew Tolstoi (1828-1910): Schule von Jasnaja Poljana
- A.S. Makarenko (1888-1939): Kollektiverziehung
- P.P. Blonski (1884-1941): Produktionsschule
Belgien:
- Ovide Decroly (1871-1932): Education par la vie, pour la vie (Erziehung durch das Leben, für das Leben)
Frankreich:
- Célestin Freinet (1896-1966): Education du travail (Freinet-Pädagogik)
Italien:
- Maria Montessori (1870-1952): Montessori-Pädagogik
- Reggio-Pädagogik
England:
- Cecil Reddie (1858-1961): New school of Abbotsholme
- Alexander Sutherland Neill (1883-1973): Antiautoritäre Erziehung / Summerhill
- Henry Morris (1871-1961): Community Education
Schweiz:
- Adolphe Ferrière (1879-1960): Tatschule
Österreich:
- Otto Glöckel (1874-1935): Lebens- und Arbeitsschule
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